09.05.2014

Bax – oder wie ein Hundepsychologe zum Fleischspieß wird

 

Es war ein Monat vergangen, als ich Bax das letzte Mal sah. Ich war gespannt, ob er das akustische Signal meines Therapiemobils mit einer Tomatenstange, oder mit Gulasch verbindet.

Zu meiner großen Freude wurde ich auch mit einem eben solchen Tanz am Gartenzaun empfangen. Eine unglaubliche Wandlung. An meinem letzten Trainingstag hatte mich Bax zu “Herrn Gulasch” verwandelt. “Herr Tomatenstange” ist tot.

Mit dem Eintritt in das Grundstück durchflog mich ein kurzer Schauer. Was, wenn der wirklich tot ist? Nur als Gulasch werde ich nicht lange überleben. Der Gedanke war kaum zu Ende gesponnen, als Bax in Aktion überging. Erst mal kurz nachschauen, ob sich wieder was im Abwasserrohr  verlaufen hat…

und dann in straffem Trab, Herrn Gulasch fixierend, mal fix den Ball holen. ” Heiliger Canis Lupus” dachte ich….der hat Herrn Tomatenstange völlig vergessen…. der Gulasch ist zum Antidot geworden…es drohte voller Körpereinsatz.

Als Ankündigung dessen habe ich mit der Tomatenstange hörbar vor dem Ball auf die Erde geklopft. Noch nie hat ein Fleischfresser so schnell seinen Gulasch aufgegeben. Bax sprintete im rechten Winkel davon. Nun war ich wieder Herr Tomatenstange. Bax wartete verwirrt in gebührendem Abstand auf die Verbesserung seiner Chancen…

Anders als zuvor hat sich Bax dieses Mal auf mich eingelassen. Bei dem Spiel um Ressourcen war er aufmerksam dabei. Jetzt konnte ich Ihn in meine Nähe bringen. Vielleicht sogar den ersten Körperkontakt provozieren. Doch erst einmal ging es darum, daß Bax lernen mußte, sich mir respektvoll zu nähern und meinen Besitz zu akzeptieren. Als Gulasch wäre das schlichtweg unmöglich. Das brennendste Ballspiel aller Zeiten begann. Nicht einmal Cheerleader hätten die Stimmung steigern können.

Wenn Bax von rechts zum Angriff blies, konterte ich von links mit dem Zauberstab. Die ganze Hexerei war dem Hund zu viel. Bax blieb auf Abstand. Die Konfrontation mit mir vermied er.

Bax schien von meinen Ballkünsten so beeindruckt, daß ich ihn nun zum Spiel einladen mußte. Im Vorwärtsgang mit direktem Blickkontakt hätte er das Spielfeld sofort geräumt. Also ging ich im Rückwärtsgang zu Bax,

ab in die Hocke und habe ihm meine Hand als Einladung gereicht.

Zur Bestärkung gab es natürlich ein Stück Gulasch.

Keine Abwehrreaktion, obwohl ich so nah an seinem Kopf war. Er hat meine Führung akzeptiert. Aber er weiß auch, daß es mit mir jede Menge Spaß geben kann. Denn ab jetzt gehörte ihm der Ball. Für heute.

Der Abschluß des Trainings war positiv. Bax wird für sich behalten, daß der mit dem gelben Therapiemobil Tomatenstange und Gulasch ist…kurzgesagt…ein Fleischspieß…

Ob Bax das wirklich behalten wird?

 

 

 

“Der Wunsch, ein Tier zu halten, entspringt einem uralten Grundmotiv - nämlich der Sehnsucht des Kulturmenschen nach dem verlorenen Paradies.“

KONTAKT

Thilo Kronenberger
Sontener Berg 4
44892 Bochum

0152 537 746 60 HOTLINE

info@hauswolf-hund.de