21.05.2014

Bax – weniger ist manchmal mehr

Die Ankunft des singenden Therapiemobils versetzte Bax in fröhliche Stimmung. Wie ein Meldeläufer rannte er zwischen Zaun und Rasen mähendem Chef hin und her.

Ich beschäftigte mich derweil mit dem Gedanken, ob die sommerliche Hitze möglicherweise meinen dominant duftenden Testosteronhaushalt in eine stinkende Brühe verwandeln könnte. Das wäre für ein Training mit diesem Hund eher ungünstig. Fellnasen sind in dieser Beziehung deutlich im Vorteil. Schlimmsten Falls könnte sich verstärkt Mundgeruch ausbreiten, aber die Botschaft des Individuums bleibt erhalten. Ich spendete mir homöopathischen Trost.  Potenzierungen sollen ja auch besonders wirkungsvoll sein.

Bax erwartete mich bereits am Tor. Irgendwie schaute er mich wie ein Psychologe an. Ob er meine Gedanken gelesen hat? Oder war meine Potenzierung schon so verdünnt, daß Bax bereits meinen “schwachen Tag” erschnüffelt hatte?

Ein Segen, daß der “Heilige Canis Lupus” immer ein Auge auf mich hat. Und manchmal flüstert er mir merkwürdige Dinge ins Ohr, die ich oft erst im Nachhinein verstehen kann.

Er lenkte meinen Blick auf einen Stuhl. Wie eine Einladung, sich auszuruhen. Flugs platzierte ich Diesen im Schatten eines großen Nadelbaumes und tat erst mal nichts. Bax auch nicht. Das  war des Rätsels Lösung an diesem heissen Tag. Wenn ich mich nicht bewegte, würden die Botenstoffe weniger verschüttelt. Für Bax blieb ich wahrnehmbar, wie immer.

Weil Bax nichts tat, konnte ich seinen Besitzer ins Haus schicken. Nun wurde es spannend, weil nichts passierte. Ich war mit Bax allein. Welche der vielen Möglichkeiten könnten nun wahr werden? Mit jeder regungslosen Minute stieg die Spannung. Auch bei Bax. Ich nahm mir fest vor, dieses “Mikado” zu gewinnen. Ein Leichtes, bei meiner durchschnittlichen Lebenserwartung. Bax gab auf und umkreiste mich. Er hatte freundlich züngelnde Worte für mich übrig. Selbst für meinen Zauberstab.

Doch an dieser Stelle war Schluß! Die heilige Reliquie durfte nicht geschändet werden. Zwei Klopfer auf den Rasen ließen das fleischfressende Rehlein davon hüpfen. Ein Spiel zwischen Nähe und Distanz begann. Weil Bax keine Unterstützung von seinem Besitzer erwarten konnte, machte er bereitwillig mit. Und weil zu einem Spiel gute Laune gehört, wenn sich jeder an die Regeln hält, signalisierte ich Bax in knieender Position, daß ich Spaß habe. Bax antwortete mir, warf sich vor mir auf die Wiese und walzte den Rasen.

“Gut, daß ich Hundepsychologe bin”, dachte ich. Der Hundetrainer hätte möglicherweise den aggressiven Umgang mit dem  Rasen bestraft.

Strafe ist in der Hundeerziehung am Wenigsten geeignet. Lernen durch Erfolg und Irrtum dagegen kann wahre Wunder bewirken. Dafür braucht es viel Fantasie und gutes Timing.

Beides werde ich auch benötigen zum nächsten Trainingstermin. Zwei ungeheuerliche Dinge hab ich mir für diesen Tag vorgenommen. Ich werde die Grenzen des Territoriums einfach übersteigen, und Bax wird das erste Mal die Hundeleine von mir umgelegt bekommen…..sofern ich die Grenzen seines Reiches schadlos überwinden kann…..

Erfolg und Irrtum….wir werden sehn…

 

 

 

“Der Wunsch, ein Tier zu halten, entspringt einem uralten Grundmotiv - nämlich der Sehnsucht des Kulturmenschen nach dem verlorenen Paradies.“

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